Immer mehr Studenten und immer weniger bezahlbare Wohnungen: Das Problem ist seit langem bekannt. Die Zahlen sind erschreckend. Was die Uni-Städte dagegen tun und bei welchen Aktionen Du vielleicht auch selbst unterstützen kannst, liest Du im Artikel.

In diesen Tagen starten in vielen deutschen Städten neue Studenten ins Wintersemester 2019/20. Der Trend: Es werden immer mehr. Das Problem: Es gibt nicht genügend Wohnraum. Schon lange steigt hierzulande die Anzahl der Studierenden – um rund 30% seit 2010. Alleine in Potsdam gibt es heuer 1200 Studenten mehr, als noch vor zwei Jahren. Trotzdem hinkt der Wohnungsbau hinterher, wie zum Beispiel eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln darlegt.

Die Wohnungslage in deutsche Uni-Städten ist katastrophal

Es herrscht also Hochbetrieb auf dem Wohnungsmarkt der Uni-Städte. Und es ist eine echte Herausforderung für die Neu-Studenten Wohnungen oder auch nur Zimmer zu finden, die bezahlbar sind. Besonders schwierig ist die Lage in den Großstädten. In München stiegen die Mieten für Studentenunterkünfte seit 2010 um 51 Prozent, in Berlin sogar um 67 Prozent. „Die Lage ist katastrophal: Studierende sind in Wohnungsnot“, titelt die Neue Presse Hannover. In Frankfurt stehen die sogenannten Erstis auf dem umkämpften Wohnungsmarkt in Konkurrenz zu jungen Berufstätigen sowie Rentnern und Rentnerinnen, erklärt Felix Große Besten aus dem dortigen Asta-Vorstand.

Überall in Deutschland fehlt bezahlbarer Wohnraum für Erstsemester

Aber auch kleinere Städte sind betroffen: Dem Studierendenwerk in Münster fehlen dieses Jahr rund 1000 Wohnheimplätze. Hier kommen zu der hohen Nachfrage auch noch Sanierungen und das Auslaufen von Mietverträgen hinzu. Luca Horoba ist Wohnraumreferent des Asta vor Ort. Nur noch acht Prozent der Studenten könne das Studierendenwerk mit Unterkünften versorgen, vor einigen wenigen Jahren seien es noch zwölf Prozent gewesen, erzählt er den Westphälischen Nachrichten. Die Bafög-Sätze im Oktober steigen zwar, aber das hilft den Studenten in Münster auch nicht wirklich weiter. Denn die Wohnpauschale erhöht sich auf 325 Euro, für ein WG-Zimmer muss man hier aber im Durchschnitt 350 Euro hinlegen. Wenn man denn eines findet. In Göttingen sieht es noch finsterer aus. 1800 Studenten hatten sich alleine bis Ende September auf die Warteliste setzen lassen, die Anzahl ist weiter steigend.

Student verzweifelt bei der Wohnungssuche
Quelle: Adobe Stock / chinnarach

Die studentische Wohnungsnot ist also flächendeckend – die derzeitige Lage mehr als angespannt. Überall wird nach kurzfristigen Lösungen gesucht, um den Erstis zu helfen. Wir haben recherchiert und einige Aktionen gefunden, die wir Euch kurz vorstellen wollen. Und Du erfährst auch, wie Du selbst mithelfen kannst.

Diese Aktionen helfen gegen die Wohnungsnot der Erstis
1. Wohnen für Hilfe

In München vermittelt der Seniorentreff Neuhausen e.V. die jungen Wohnungssuchenden an ältere Menschen. Die Studenten zahlen nur eine geringe Pauschale für die Nebenkosten und erstatten den Rest der Miete als Hilfsleistungen, wie Kochen, Putzen oder Gartenarbeit. Auf zehn interessierte Erstis kommt allerdings nur ein interessierter Senior. Die Aquise ist nicht einfach. Unterstützung wird hier immer gebraucht. Das Projekt gibt es auch in anderen Städten und nennt sich „Wohnen für Hilfe“.

2. Mieten? Ja wat denn?

Unter dem Motto „Mieten? Ja wat denn?“ hat der Asta der Goethe-Universität Frankfurt ein Indoor-Camp für Erstsemester eingerichtet. Vier Schlafräumen ausgestattet mit Feldbetten, werden bis November etwa 29 Erstis beherbergen. Eine selbst organisierte Wohnungsbörse, soll die mehr oder weniger obdachlosen Neuankömmlingen möglichst schnell zu einem dauerhaften Zimmer oder zumindest einer Zwischenmiete für ein paar Monate verhelfen. Andere Frankfurter Neu-Studenten weichen auf Wohnungen in der Umgebung aus, z. B. in Offenbach und müssen erst einmal pendeln, bis ein Platz im Wohnheim frei wird.

2. Doppelbelegungen im Wohnheim

In Hannover warten derzeit über 2000 Studenten auf ein Wohnheimzimmer. Das Studentenwerk toleriert deshalb im Moment sogar Doppelbelegungen auf den Zimmern, damit kein Student auf der Straße sitzt.

4. Deine Couch für Erstis

Der Asta Münster versucht schon seit längerem mit der Aktion „Deine Couch für Erstis“ die Mitmenschen in der Stadt aufzufordern ihre Schlafgelegenheiten für Studenten auf Wohnungssuche temporär zur Verfügung zu stellen. Denn die Erfahrung zeige, dass die meisten Studierenden vor Ort besser eine Wohnung finden als aus der Ferne. Auch diese Initiative gibt es noch in anderen Städten, zum Beispiel in Kiel.

Studenten mit Umzugskisten
Quelle: Adobe Stock / jackfrog
5. Palitree für Erstsemester

Und auch wir von Palitree möchten helfen. Wir haben die Aktion „Palitree für Erstsemester“ ins Leben gerufen: Gegen die Wohnungsnot von Erstis! Deshalb wenden wir uns hiermit an alle älteren Semester oder bereits Berufstätigen die zeitlich begrenzt ein Zimmer, eine Schlafcouch oder andere Übernachtungsmöglichkeit für Erstsemester zur Verfügung stellen können. Du kannst Deine günstige Unterkunft ganz einfach mit nur ein paar Klicks bei Palitree einstellen. Den Preis für Couch oder Zimmer legst Du individuell fest, denn wer verdient nicht gerne ein paar Euro dazu? Die Nutzung von Palitree im Rahmen der Aktion ist vollkommen kostenlos! Wir stellen die Plattform den Erstsemestern und ihren Helfer für diesen guten Zweck unentgeltlich, ohne die sonst üblichen Gebühren, zur Verfügung.

Anbieter und Suchende finden sich nach der kostenlosen Registrierung auf der Palitree-Plattform. Das Übernachtungsangebot ist auf den Kreis der im Studi-Netzwerk der jeweiligen Stadt suchenden ErstsemesterInnen begrenzt. Bevor man sich für eine/n temporäre/n Mitbewohner/in entscheidet, will man die andere Person kennenlernen. Ein Profil der Person und die Möglichkeit sich leicht, wie in einem Chat, auszutauschen, erleichtern das Kennenlernen.

Die Aktion gibt es zunächst für die folgenden Uni-Städte in Deutschland: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/M, Bonn, Münster, Freiburg. Schreib uns einfach, wenn Du glaubst, dass die Idee auch in Deiner Stadt funktionieren wird. Mehr Informationen über „Palitree für Erstsemester“, findest Du unten auf der Seite, über die Buttons zu den Städten.

Jeder kann helfen: Übernachtungsplatz oder Idee teilen

Bis mehr günstiger Wohnraum geschaffen wird, können wir alle zusammenhelfen, um die Wohnungsnot bei Erstsemestern zu entschärfen. Gerade, wenn Du selbst mal in der gleichen Situation warst, weißt Du, wie schwierig es sein kann, sich als Student durchzuschlagen. Und auch wenn Du keine Übernachtungsmöglichkeit anzubieten hast: Teile der Welt mit, dass es dieses Problem gibt. Teile unseren Artikel. Nur wenn viele Menschen darüber sprechen, wird sich langfristig etwas verändern.

Bildquelle: Adobe Stock / Svyatoslav Lypynskyy

Kategorien: Palitree News