Keine Parkplatzsuche mehr, weniger Verkehr in Großstädten und ein großer Beitrag zum Umweltschutz – das sind die erklärten Ziele von Carsharing. Doch anstatt die urbane Mobilität nachhaltig zu verändern, haben Carsharing-Anbieter bisher nur mäßigen Erfolg in Deutschland. Warum ist das so?

Das Prinzip von Carsharing klingt erfolgversprechend und zukunftsweisend: Statt selbst einen Pkw zu kaufen, teilt man sich mit mehreren anderen Kunden ein Auto aus einer Carsharing-Flotte. Verfügbarkeit und Standort kann man leicht per App herausfinden, abstellen kann man das Auto je nach Anbieter an bestimmten Orten oder überall in der Stadt. Doch laut einer aktuellen Studie haben sich durch die zahlreichen Carsharing-Anbieter weder der Stadtverkehr, und dadurch die Emissionswerte maßgeblich reduziert, noch die Anzahl an Privat-Pkws in Städten. Die Gründe hierfür sind vielschichtig.

Soziale Verantwortung vs. Bequemlichkeit

Die übliche Zielgruppe von Carsharing-Anbietern wie ShareNow oder Miles ist die jüngere Generation. Für diese ist gerade während Ausbildung und Studium ein eigenes Auto häufig zu teuer und die Flexibilität von Carsharing Gold wert. Doch mit Einstieg in das Berufsleben kommt oft der Wunsch nach dem eigenen Auto. Das soziale Gewissen durch Sharing etwas zum Umweltschutz beizutragen hat bisher keine hohe Priorität und die Nutzung von Carsharing ist nicht attraktiv genug, um sich bei dieser jungen Kundengruppe als Dauerlösung durchzusetzen. So sehen laut einer weiteren Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney lediglich fünf Prozent der Deutschen Carsharing als echte Alternative für den eigenen Pkw. Eine große Rolle spielen auch die Gegebenheiten der jeweiligen Stadt: Sind nicht genügend Parkplätze vorhanden und Ziele mit dem öffentlichen Nahverkehr besser zu erreichen, dann wird dieser häufig bevorzugt. Hinzu kommt ein weiterer ganz wichtiger Faktor – die eigene Bequemlichkeit. Viele brauchen die Gewissheit und den Komfort, das eigene Auto jederzeit vor der Haustür stehen zu haben.

Noch ist es zu attraktiv, ein eigenes Auto zu besitzen, auch deshalb tun sich Carsharing Anbieter in Deutschland mitunter schwer. (Adobe Stock / Dragana Gordic)
Trotz Carsharing nicht weniger Autos in der Stadt

Auch wenn sich das Gesamtvolumen der Fahrzeuge durch die Möglichkeit des Teilens nicht wirklich verringert hat, entlasten die Anbieter die Innenstädte trotzdem: Carsharing-Autos haben eine viel höhere Auslastung als der Privat-Pkw. Allein dieser Umstand wirkt sich positiv auf den Parkraum Deutschlands Metropolen aus. Um noch mehr Fahrzeuge aus den Innenstädten zu holen, müssten sich die Rahmenbedingungen ändern, kritisieren Carsharing-Unternehmen. Anwohnerparkausweise seien z. B. derzeit noch viel zu billig. In Berlin kostet ein solcher Ausweis für zwei Jahre lediglich 20 Euro, während die Anbieter für ihre Carsharing-Autos die stehen, den ganz normalen Parktarif der Stadt bezahlen.

Wie lässt sich das große Potenzial von Carsharing nutzen?

Um die Buchung eines Carsharing-Autos als dauerhafte Verkehrslösung im Bewusstsein der Kunden zu etablieren, sollte dieses Angebot langfristig attraktiver werden als der Besitz eines Privat-Pkws. Hierzu müsste die Nutzung von Privatautos also teurer werden, z. B. durch die Anhebung von Kraftfahrzeugsteuer oder eben der Gebühren für öffentliche Parkplätze. So ließe sich eine noch höhere Auslastung der Carsharing-Flotten erreichen. Ein weiterer Lösungsvorschlag kommt von Flinkster, dem Carsharing-Dienst der Deutschen Bahn: Eine Kombination von öffentlichen Verkehrsmitteln, Carsharing und Fahrrädern sei ideal, um nachhaltig etwas in der innerstädtischen Verkehrs- und Klimaproblematik zu erreichen. Hierfür müsse man Carsharing-Konzepte entsprechend in den öffentlichen Nahverkehr integrieren und nicht als Konkurrenz sehen. Der selben Meinung ist Oliver Mackprang, CEO des Car-Sharing-Startups Miles, wie er n-tv in einem Interview verrät: „Carsharing kann nur erfolgreich sein, wenn viele andere Mobilitätsangebote in der Stadt vorhanden sind. Ein wesentlicher Eckpfeiler ist der öffentliche Nahverkehr. Funktioniert der nicht, funktioniert auch Carsharing nicht. Der durchschnittlich mobile Mensch in Deutschland macht laut Statistik 3,7 Wege am Tag. Würden sie diese Wege komplett mit einem Carsharing-Auto machen, fahren sie mit einem eigenen Pkw deutlich günstiger. Wir brauchen Leute, die alle Alternativen zur Fortbewegung in der Stadt nutzen. Das macht Carsharing erfolgreich.“

Laut der Kearney-Studie sollten sich Anbieter auf einige wenige lukrative Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München konzentrieren. Bereits in Stadtrandgebieten sei die erforderliche Mindestnutzerzahl sowie die Nutzerdichte nicht mehr möglich, um Carsharing profitabel zu betreiben. Angebote auf dem Land wie das Projekt Mobilfalt gibt es zwar vereinzelt. Allerdings sind diese nur wenig bekannt und können eher als Nachbarschaftshilfe oder ehrenamtliche Aktion gesehen werden und nicht als erfolgreiches Geschäftsmodell.

In anderen Ländern funktioniert Carsharing deutlich besser. (Adobe Stock / MclittleStock)
Ist Carsharing in Deutschland gescheitert?

Letztendlich hängt es am Verbraucher. Ein großes Problem: Kunden behandeln die geteilten Autos wohl nicht gerade pfleglich. Sie werden verdreckt, beschädigt und nicht korrekt abgestellt. Auch deshalb mussten sich manche Carsharing-Unternehmen wieder aus dem Geschäft zurückziehen – der Aufwand war einfach zu hoch. Es bleibt also abzuwarten, ob und wie sich der Markt weiterentwickelt. Aber ohne einen gewissen Solidaritätsgedanken bei den Nutzern und Änderungen von urbanen Verkehrskonzepten, bleibt der Erfolg von Carsharing weiterhin ein großes Fragezeichen.

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