Empty-Nest-Syndrom nennt sich die plötzliche Leere die sich einstellt, wenn die Kinder das Haus verlassen. Das Haus ist viel zu groß, aber die Wenigsten möchten sich verkleinern – es hängen schließlich auch eine Menge Erinnerung an dem Zuhause. Wir zeigen Lösungen auf, die neben Geld und Hilfe auch wieder Leben in die Bude bringen.

Wer im Internet nach dem Begriff „Empty-Nest-Syndrom“ sucht, findet mittlerweile eine erstaunliche Anzahl an Treffern. Der Begriff „empty nest“ kommt, wie so viele Modebegriffe, aus den USA, aber natürlich gab und gibt es das Phänomen überall auf der Welt: Die Kinder werden langsam erwachsen, leben ihr eigenes Leben – und ziehen aus dem Elternhaus aus.  Eine ganz neue Situation für die Eltern, psychologisch und organisatorisch, wenn das eigene Haus, in dem man zwei oder drei Jahrzehnte das gemeinsame Familienleben mit den Kindern genossen hat, den Eltern plötzlich leer erscheint. Und überwiegend ist es ja auch objektiv viel zu groß und für die Unterbringung einer Pflegekraft besteht dann meistens doch (noch) kein Bedarf.

Was tun mit dem großen Haus, wenn die Kinder weg sind?

Dennoch wollen – aus nachvollziehbaren Gründen – die Wenigsten nach Auszug der Kinder in ein viel kleineres Haus ziehen. Einerseits würde das erstmal viel Mühe und Geld kosten. Andererseits würde damit der Bruch mit der Vergangenheit und dem eigenen Leben, als die Kleinen noch „so süß“ waren, zementiert.

Eine Option ist natürlich, einen Teil des Hauses dauerhaft zu vermieten. Aber meist ist dafür erstmal ein Umbau nötig, der nicht nur viel Geld kostet, sondern das Haus auch nicht unbedingt schöner macht. Denn die meisten Einfamilienhäuser lassen sich nicht mal eben in ein Zwei- oder Dreifamilienhaus umbauen.  

Adobe Stock / lev dolgachov
Empty-Nest und die Sharing Economy

Als Alternativen kommen hier deshalb – insbesondere in Ballungsräumen – die verschiedenen Formen der Sharing Economy ins Spiel. Kurzfristvermietungen à la Airbnb erfordern zwar erstmal keinen Umbau und sind oftmals sehr lukrativ – aber die Meisten haben schlichtweg kein Interesse an wöchentlich wechselnden Gästen, weil das viel Arbeit macht, und zu viel Unruhe und Unsicherheit ins Haus bringt. Außerdem geht es vielen „Empty-Nestern“ auch gar nicht so sehr um zusätzliche Mieteinnahmen, sondern um den Wohlfühlfaktor.

Deswegen kann es viel attraktiver sein, einen Teil des Hauses – nach Möglichkeit ohne großen Umbau – temporär anderen, meist jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, die nicht nur ein paar Tage bleiben, sondern mehrere Wochen oder Monate. Das können insbesondere Studenten oder Praktikanten sein, die eine Bleibe suchen. Aber auch „Globetrotter“ oder Crowdworker, die einfach mal für ein paar Monate in einer anderen Stadt ihre Zelte aufschlagen, weil es egal ist, von wo aus sie arbeiten. Oder vielleicht sogar (andere) Rentner, die in Ruhe eine Stadt oder eine Region erkunden möchten und dafür viel Zeit haben. Diese Art von Gästen erwarten keinen so hohen „Service-Standard“, sind also pflegeleichter und können auch mal zwei Wochen den Garten pflegen, wenn die Hausbesitzer selbst im Urlaub sind.

Diese Art von Empty-Nest-Nutzung kann sehr attraktiv sein, aber es stellt sich die Frage – wo findet man diese Art von Gästen, denen man vertrauen kann. Denn Wildfremde in die eigenen vier Wände zu lassen, ist noch immer eine der größten Hürden, um dieser Art von Sharing Economy gerade in Ballungsräumen zu einer weiteren Verbreitung zu helfen.

Palitree als ein Beispiel für vertrauensvolles Sharing

Hier kommt der Ansatz von Palitree ins Spiel, den man als „Vertrauensvolles Teilen“ bezeichnen kann. Wie bei AirBnB kann die Wohnung online zur Vermietung gestellt werden, ist aber nur innerhalb des erweiterten Freundes- und Bekanntenkreises (inkl. „Freunde von Freunden“) sichtbar bzw. buchbar. Damit wird das Angebot auf Personen – z. B. Rentner, aber auch Neffen, Studienfreunde von Kindern und sonstige Personen aus dem Umfeld reduziert; oder innerhalb einer Gruppe von Gleichgesinnten. Das könnten Mitglieder des Alpenvereins oder der Naturfreunde sein – mit diesen Menschen teilt man gleiche Werte und hat daher ein größeres Vertrauen. Idealerweise bildet sich dann schrittweise eine Sharing Community von Best Agern heraus – die auf diese Weise nicht nur ihr „Empty-Nest“-Problem lösen, sondern auch andere Gleichgesinnte aus allen Teilen Europas kennenlernen, bei denen sie günstig übernachten können und mit denen sie sich austauschen können.

Das Projekt Wohnen für Hilfe

Eine weitere Möglichkeit sein leeres Haus mit Leben und vor allem mit Unterstützung zu füllen ist das Projekt „Wohnen für Hilfe“, das es in vielen deutschen Städten gibt. Studenten beziehen ein Zimmer im Haus von Senioren, Pflegebedürftigen oder Familien und statt Miete zu bezahlen helfen sie dafür im Haushalt, Garten oder anderweitig mit. Beide Seiten gewinnen dabei.

Adobe Stock / auremar

Es gibt also mehrere Möglichkeiten seinem Haus auch im Alter neues Leben einzuhauchen und die vorhandene Ressource sinnvoll zu nutzen.

Bildquelle: Adobe Stock / Vasyl